Die wichtigsten Eckdaten auf einen Blick
- 85 Nm Drehmoment und bis zu 400 % Unterstützung setzen den technischen Rahmen.
- Das 36-V-System ist auf effizientes, kühleres Arbeiten ausgelegt.
- Mit 2,7 kg, 168 mm Q-Faktor und 7,5° Eingriffswinkel wirkt der Antrieb kompakt und direkt.
- Smart Assist nutzt sechs Sensoren und passt die Unterstützung automatisch an Fahrer und Gelände an.
- Die Plattform ist klar auf E-MTB, sportliche Touren und anspruchsvolles Gelände ausgerichtet.

Was der SyncDrive Pro 2 technisch mitbringt
Wenn ich den Antrieb nüchtern bewerte, schaue ich zuerst auf die harten Werte. Genau da zeigt sich, warum der Motor in Giants sportlichen E-Bikes so präsent ist: viel Drehmoment, ein kompaktes Gehäuse und eine Abstimmung, die nicht auf rohe Gewalt, sondern auf sauberes Einsetzen der Unterstützung ausgelegt ist.
| Merkmal | Wert | Warum es zählt |
|---|---|---|
| Drehmoment | 85 Nm | Spürbarer Schub an steilen Anstiegen und bei niedriger Kadenz |
| Unterstützung | Bis zu 400 % | Die Leistung kann sich sehr deutlich an die eigene Tretarbeit anlehnen |
| Systemspannung | 36 V | Ausgelegt auf effizienten, vergleichsweise kühlen Betrieb |
| Gewicht | 2,7 kg | Hilft bei Integration und Handling des Bikes |
| Eingriffswinkel | 7,5° | Der Motor spricht sehr schnell auf Pedaldruck an |
| Q-Faktor | 168 mm | Natürlicherer Stand und ein angenehmeres Tretgefühl |
| Bodenfreiheit | +37 mm | Mehr Reserve auf ruppigen Trails und im Gelände |
| Maximale Leistung | 600 W | Zeigt, dass der Antrieb klar sportlich, aber nicht überzogen ausgelegt ist |
Das ist kein Motor für Effekthascherei, sondern ein System, das früh ansetzt und lange sauber arbeitet. Genau diese Mischung macht ihn für E-MTBs und anspruchsvolle Allroad-Bikes so interessant. Und sobald man versteht, wie die Unterstützung geregelt wird, wird auch klar, warum sich der Antrieb im Fahren deutlich runder anfühlt als viele reine Zahlen vermuten lassen.
Wie Smart Assist das Fahrgefühl prägt
Der eigentliche Charakter des Motors entsteht durch Smart Assist. Das System nimmt nicht nur deinen Pedaldruck auf, sondern zieht mehrere Sensordaten zusammen und wählt die Unterstützung automatisch so, dass sie zur Fahrsituation passt. Für mich ist das der Punkt, an dem ein guter E-Bike-Motor von einem bloß kräftigen Motor unterschieden wird.
Praktisch heißt das: Du musst bergauf nicht ständig zwischen Stufen wechseln, sondern fährst deutlich ruhiger und konzentrierter. Das fühlt sich ein bisschen an wie ein gutes Automatikgetriebe im Auto, nur eben am Fahrrad. Der Vorteil liegt nicht nur im Komfort, sondern auch in der Effizienz, weil der Motor keine unnötige Energie herausdrückt, wenn sie gerade nicht gebraucht wird.
- Weniger Bedienaufwand bedeutet mehr Fokus auf Linie, Traktion und Tritttechnik.
- Natürlicheres Ansprechverhalten verhindert dieses typische „An oder aus“-Gefühl vieler starker E-MTB-Motoren.
- Mehr Effizienz hilft auf längeren Touren, weil der Akku weniger schnell leergezogen wird.
Über die RideControl-App lässt sich das System zusätzlich fein anpassen. Unterstützungsstufen, Fernbedienung und Anzeige lassen sich auf den eigenen Fahrstil abstimmen, und selbst das Drehmoment kann je nach Modus reduziert oder für steile Passagen angehoben werden. Auch die Schiebehilfe gehört zum Konzept: Sie unterstützt beim Schieben des Bikes und arbeitet bis 6 km/h, was auf engen Trails oder an steilen Rampen tatsächlich nützlich ist. Genau diese Art von Detail zeigt, dass das System auf Praxis und nicht nur auf Datenblattwerte gebaut ist.
Warum sich der Antrieb auf Trails so harmonisch anfühlt
Ich bewerte einen Trail-Motor nie isoliert, sondern immer zusammen mit Rahmen, Federung und Tretlagerbereich. Beim Pro 2 fallen vor allem zwei Dinge auf: der schmale Q-Faktor und die zusätzliche Bodenfreiheit. Beides klingt auf dem Papier unspektakulär, macht im Gelände aber einen echten Unterschied, weil die Tretposition natürlicher bleibt und der Motor seltener aufsetzt.
Giant hat den Antrieb zudem so konstruiert, dass er sich sauber in die eigenen Rahmen integriert, unter anderem in Plattformen mit Maestro-Hinterbau. Das ist mehr als nur Optik. Wenn die Motorform und die Einbauposition zur Federung passen, leidet die Hinterbaukinematik weniger, und das Bike bleibt auch auf ruppigen Passagen berechenbar. Genau deshalb wirkt der Pro 2 auf technisch anspruchsvollen Strecken so stimmig.
Besonders sinnvoll ist das in sportlichen E-MTBs wie Trance X E+, Stance E+ Pro, Fathom E+ oder Stormguard E+, also überall dort, wo Antriebskraft, Stabilität und saubere Integration zusammenkommen müssen. Der Motor passt damit klar in das Segment, in dem ein Rad nicht nur schnell, sondern auch kontrollierbar und belastbar sein soll. Trotzdem lohnt es sich, die Grenzen des Systems offen anzusprechen, bevor man es mit einem Alleskönner verwechselt.
Wo die Grenzen des Systems liegen
Die wichtigste Grenze ist nicht das Drehmoment, sondern der Einsatzzweck. Wer heute maximale Spitzenleistung und die neueste 48-V-Generation sucht, landet bei Giant eher beim Pro 3. Der Pro 2 bleibt dagegen ein sehr ausgewogener 36-V-Antrieb mit sportlichem Fokus, der auf natürliche Dynamik und gutes Handling optimiert ist.
Auch die Reichweite hängt viel stärker vom Gesamtsystem ab als von einer einzelnen Zahl. Akkukapazität, Reifenwahl, Reifenluftdruck, Gelände, Gegenwind und die gewählte Unterstützungsstufe wirken zusammen. Ein 800-Wh-Akku kann im realen Trail-Einsatz deutlich anders wirken als auf einer ruhigen Tour, und ein Motor mit 85 Nm ist kein Freifahrtschein für unbegrenzte Kilometer. Wer das nicht mitdenkt, überschätzt schnell den Nutzen eines starken Motors.
- Mehr Nm bedeuten nicht automatisch mehr Effizienz.
- Mehr Unterstützung kann das Fahrgefühl zwar kräftiger machen, aber den Akku schneller leeren.
- Die App kann viel feinjustieren, ersetzt aber kein passendes Bike-Konzept.
Genau deshalb ist der Vergleich mit den anderen Giant-Motoren sinnvoll, bevor man sich nur an einem Datenblatt festhält. Denn erst im Portfolio wird sichtbar, für wen der Pro 2 wirklich gedacht ist und wann ein anderes System besser passt.
Wie er sich im Giant-Portfolio einordnet
Giant sortiert seine Antriebe nicht einfach nach „mehr ist besser“, sondern nach Charakter. Der Pro 2 sitzt ziemlich genau zwischen den alltagstauglichen Motoren und den besonders leistungsorientierten Systemen. Das macht ihn für Fahrer interessant, die eine deutliche Trail-Ausrichtung wollen, aber kein überhartes, nervöses Setup suchen.
| Motor | Charakter | Kernwerte | Sinnvoll für |
|---|---|---|---|
| SyncDrive Core 2 | Alltag und Tour | 55 Nm, bis 300 %, 2,9 kg, 36 V | City- und Trekkingräder mit ruhigem Fokus |
| SyncDrive Sport 2 | Vielseitig und tourenstark | 75 Nm, bis 400 %, 2,8 kg, 36 V | Gemischtes Terrain und längere Ausfahrten |
| SyncDrive Pro 2 | Sportlich und trailtauglich | 85 Nm, bis 400 %, 2,7 kg, 36 V | E-MTB, Adventure und technische Anstiege |
| SyncDrive Pro 3 | Leistungsorientiert | 90 Nm, bis 800 W, 2,6 kg, 48 V | Fahrer, die die neue 48-V-Plattform wollen |
Der interessante Punkt ist nicht, dass der Pro 3 „besser“ wäre. Er ist schlicht anders ausgelegt. Der Pro 2 bleibt für viele Fahrer die angenehmere Wahl, wenn ein natürliches Ansprechen, ein sauberer Kraftaufbau und die bewährte 36-V-Architektur wichtiger sind als die letzte Leistungsstufe. Erst dieser Vergleich zeigt, ob du wirklich mehr Spitzenleistung brauchst oder eher ein rundes Gesamtpaket suchst.
Worauf ich bei einem Bike mit diesem Antrieb in der Praxis achte
Wenn ich ein Bike mit diesem Motor bewerte, schaue ich nie nur auf den Antrieb selbst. Akku, Display, Remote, Übersetzung, Reifen und Fahrwerk entscheiden mit darüber, ob das System auf dem Trail oder auf Tour wirklich überzeugt. Gerade bei Giant ist die Integration stark, aber sie muss zum Einsatzprofil passen.
- Akkukapazität: Je nach Modell arbeitet das System mit unterschiedlichen EnergyPak-Größen, bei manchen Rädern auch mit einem 250-Wh-Range-Extender.
- Cockpit: RideControl Ergo, Ergo 3 oder Dash verändern, wie intuitiv du den Motor bedienst.
- Fahrprofil: Wer viel alpines Gelände fährt, braucht andere Einstellungen als jemand auf welligen Schotterpisten oder mit Gepäck.
- Testfahrt: Achte auf das Ansprechverhalten beim Anfahren und auf den Übergang zwischen den Unterstützungsstufen.
- Systempflege: Sensorik, Softwarestand und Akkuzustand beeinflussen das Fahrgefühl direkt, auch wenn das Datenblatt gleich bleibt.
Für Bikepacking oder lange Allroad-Etappen würde ich zusätzlich prüfen, wie sparsam die Unterstützungslogik im Alltag arbeitet und ob die Ausstattung zum geplanten Gepäck wirklich passt. Mein Fazit ist klar: Der Pro 2 ist stark, aber nicht brachial, präzise, aber nicht nervös, und gerade deshalb in sportlichen E-MTBs und robusten Tourenrädern so überzeugend. Wer natürliche Unterstützung, saubere Integration und kontrollierbares Klettern wichtiger findet als reine Rekordwerte, bekommt hier ein sehr rundes System.