Mont Ventoux mit dem Rennrad - Bédoin, Sault oder Malaucène?

Kurvenreiche Straße zum Gipfel des Mont Ventoux, wo Radfahrer die Herausforderung des Rennradfahrens suchen.

Geschrieben von

Emanuel Strobel

Veröffentlicht am

11. Apr. 2026

Inhaltsverzeichnis

Der Ventoux ist kein Berg, den man einfach nebenbei mitnimmt. Die steilen Rampen, der lange gleichmäßige Rhythmus und der oft harte Wind machen die Auffahrt zu einer Prüfung für Beine, Material und Timing zugleich. Genau deshalb ist er für Rennradfahrer so reizvoll: Wer ihn sauber plant, bekommt nicht nur einen legendären Gipfel, sondern auch eine sehr klare Lektion in Pacing, Übersetzung und Wetterlesen.

Das solltest du vor der Ventoux-Auffahrt wissen

  • Bédoin ist die klassische und härteste Seite: 21,8 km, 1.598 hm, im Schnitt 7,5 Prozent.
  • Malaucène ist ähnlich lang und hart, wirkt aber im unteren Teil oft etwas ruhiger und gleichmäßiger.
  • Sault ist mit 25,6 km und 5 Prozent im Schnitt die beste Wahl für die erste, kontrollierte Auffahrt.
  • Wind und Temperatur sind am Gipfel oft wichtiger als die reine Steigung.
  • Leichte Übersetzung, genug Flüssigkeit und eine Windjacke machen am Ventoux mehr aus als viele teure Upgrades.
  • Wer mit Gepäck fährt, sollte die schwere Last nicht auf der eigentlichen Gipfelrampe mitschleppen.

Warum der Ventoux mit dem Rennrad so viel Respekt verdient

Der Gipfel liegt auf 1.910 Metern, und oben wirkt die Landschaft fast unwirklich: karg, offen, windanfällig und im Kontrast zum Tal erstaunlich kühl. Genau diese Mischung macht die Auffahrt so besonders. Was unten noch nach Provence aussieht, kann sich oben in wenigen Minuten wie ein ganz anderer Berg anfühlen.

Ich behandle den Ventoux deshalb nicht als „harten Anstieg“, sondern als komplette Bergaufgabe. Der eigentliche Unterschied steckt nicht nur in den Höhenmetern, sondern in der Länge, der Steigungsdynamik und der Tatsache, dass du den Berg kaum mit Schwung überfahren kannst. Wer zu optimistisch startet, verliert spätestens im letzten Drittel Zeit, Kraft und Ruhe. Darum lohnt sich der direkte Vergleich der drei Auffahrten besonders.

Radfahrer kämpfen sich den Mont Ventoux hinauf. Ein Rennrad-Abenteuer unter blauem Himmel.

Die drei Auffahrten im direkten Vergleich

Die offiziellen Streckenangaben variieren je nach Quelle leicht. Für eine saubere Planung orientiere ich mich an den Angaben von VentouxProvence, weil sie die drei Standardseiten klar voneinander trennt und praktikabel beschreibt.

Auffahrt Distanz Höhenmeter Ø Steigung Charakter Mein Fazit
Bédoin 21,8 km 1.598 hm 7,5 % Legendär, fordernd, lange Waldpassagen, oben offen und karg, Passagen bis 15 % Die klassische Wahl für den ersten „echten“ Ventoux-Moment, aber nichts für einen kalten Start ohne Plan.
Malaucène 21 km 1.575 hm 7,5 % Ähnlich hart, etwas gleichmäßiger, stark bewaldet, Passagen bis 15 % Sehr gute Alternative, wenn du eine harte, aber weniger ikonisch überlaufene Seite fahren willst.
Sault 25,6 km 1.210 hm 5 % Länger, ruhiger, die leichteste Seite, Passagen bis 10 %, ab Chalet Reynard gemeinsame Schlussrampe mit Bédoin Für die erste Auffahrt, für Touren mit Gepäck oder für einen kontrollierten Pacing-Tag meist die klügste Wahl.

Wenn ich den Berg zum ersten Mal fahre, bevorzuge ich oft nicht automatisch die „berühmteste“ Seite. Sault ist die vernünftigste Einstiegsroute, weil du deinen Rhythmus sauber finden kannst. Wer die typische Ventoux-Atmosphäre sucht, nimmt Bédoin - aber bitte mit Respekt vor den letzten Kilometern und nicht mit dem Gefühl, sich dort irgendwie hochzuwinden. Der Berg belohnt Rhythmus, nicht Trotz.

Die Wahl der Seite entscheidet also nicht nur über die Statistik, sondern über das ganze Fahrerlebnis. Danach kommt die Frage, welches Setup diese Rampe überhaupt sinnvoll unterstützt.

So setze ich Bike und Übersetzung für den Berg auf

Am Ventoux gewinnt nicht das teuerste Rad, sondern das, mit dem du die steilen Abschnitte im satten, kontrollierten Tritt fahren kannst. Ich würde lieber eine kleine Übersetzungsreserve mitnehmen als das letzte Prozent Rennoptik. Auf einem langen Anstieg über 20 Kilometer macht das einen sehr realen Unterschied.

Bereich Praxiswert Warum das hilft
Übersetzung 34x32 bis 34x34, sportlich auch 34x28 bis 34x30 Die steileren Rampen bleiben fahrbar, ohne dass die Kadenz komplett einbricht.
Reifen 28 bis 30 mm, mit Gepäck eher 30 bis 32 mm Mehr Komfort, mehr Grip und mehr Ruhe in der Abfahrt.
Luftdruck Eher moderat als maximal Zu viel Druck kostet auf grobem Asphalt und in der Abfahrt eher Kontrolle als Tempo.
Bremsen Beläge, Scheiben oder Felgenflanken vorab prüfen Die Abfahrt ist lang genug, um Materialschwächen spürbar zu machen.
Verpflegung 60 g Kohlenhydrate pro Stunde als guter Zielwert, bei Hitze mehr trinken Ein leerer Tank ist am Ventoux keine Kleinigkeit, sondern ein echter Leistungsabfall.

Ich fahre den Ventoux grundsätzlich lieber mit etwas leichterer Übersetzung und sauberer Trittfrequenz. Auf einem Berg, der sich über viele Minuten konstant hart anfühlt, ist ein runder Tritt viel wichtiger als ein „sportlich“ klingender Gang. Bei Schaltwerk und Kassette prüfe ich die Freigabe immer vorher, statt mich am Berg mit einer unpassenden Abstimmung herumzuärgern. Wer mit Bikepacking-Gepäck fährt, sollte diese Regel noch ernster nehmen und das System insgesamt leichter halten.

Das Setup bestimmt, wie gut du den Anstieg kontrollierst. Noch wichtiger wird danach aber die Frage, wann du losfährst und wie du mit dem Wetter umgehst.

Timing, Wetter und Abfahrt richtig lesen

Am Ventoux ist die Startzeit oft mehr als eine organisatorische Nebensache. Im Sommer fahre ich möglichst früh los, damit die Hitze im Tal nicht schon vor dem eigentlichen Berg zur Zusatzbelastung wird. Oben kann es selbst an warmen Tagen deutlich kühler sein, und genau dort macht eine dünne Windjacke den Unterschied zwischen „angenehm hart“ und „unnötig frierend“.

Ich verlasse mich dort nie nur auf das Gefühl vor Ort, sondern prüfe die Wetterlage am Gipfelbereich genau. Météo-France zeigt mit der Station Mont Ventoux - Mont Serein sehr schön, wie schnell sich dort die Bedingungen ändern können. Wenn der Wind stark dreht, Böen anziehen oder Gewitter im Raum stehen, verschiebe ich die Auffahrt lieber. Ein Gipfel an einem falschen Tag ist kein Abenteuer, sondern einfach schlechte Planung.

  • Früh starten, wenn du im Sommer von unten anrollst.
  • Vor dem Anstieg essen und trinken, nicht erst wenn du schon leer wirst.
  • Eine Windjacke oder ein leichtes Gilet für den Gipfel und die Abfahrt mitnehmen.
  • Sonnencreme und Brille einpacken, weil der Gipfel zwar kühl, aber offen und stark bestrahlt sein kann.
  • Die Abfahrt als eigene Etappe sehen, nicht als bloßes Rollen ins Tal.
  • Bei starkem Wind oder Gewitterrisiko umplanen, statt stur am Ziel festzuhalten.

Gerade die Abfahrt wird unterschätzt, weil sie nach der harten Arbeit „einfach“ aussieht. In Wahrheit ist sie der Teil, in dem Temperatur, Bremsen, Konzentration und Wind zusammenkommen. Wenn dieser Abschnitt sauber geplant ist, fühlt sich der ganze Tag deutlich runder an. Und genau hier wird aus einer einzelnen Bergfahrt eine echte Tourenidee.

Wie der Ventoux in eine Tour oder Bikepacking-Route passt

Der Ventoux funktioniert sehr gut als Mittelpunkt einer Mehrtagestour. Wer nicht nur den Gipfel, sondern auch die Landschaft rundherum erleben will, kann die Region als kleine Bikepacking-Runde aufbauen. Eine offizielle Rundroute um den Berg ist 120 Kilometer lang und lässt sich in 2 bis 4 Tagen fahren, je nach Etappenlänge und Trainingsstand.

Für mich ist das der interessantere Ansatz, wenn der Berg nicht nur „abgehakt“, sondern erlebt werden soll. Dann fahre ich nicht mit schwerem Gepäck in die steilste Rampe, sondern teile die Reise auf: lockerer Anreisetag, klarer Gipfeltag, danach eine ruhigere Verbindung über das Plateau oder durch die Gorges de la Nesque. Das entlastet nicht nur die Beine, sondern macht die ganze Region viel besser lesbar.

  • Einzelner Gipfeltag: Unterkunft im Tal, leichtes Gepäck, frühe Auffahrt, lange Abfahrt.
  • 2-Tage-Variante: Anreise und Einrollen am ersten Tag, Gipfelversuch am zweiten.
  • 3- bis 4-Tage-Tour: Rundkurs mit moderaten Etappen, Landschaft statt Rekordjagd.
  • Bikepacking-Regel: So wenig Gepäck wie möglich auf die eigentliche Kletterpassage mitnehmen.

Wenn ich den Ventoux in eine Tour einbaue, denke ich zuerst an Gewicht und Logistik, erst danach an Kilometer. Das spart Kraft und verhindert, dass der Berg am Ende nur noch wie ein Gepäcktest wirkt. Die Tour wird dadurch nicht leichter, aber wesentlich smarter.

Die Fehler, die ich am Berg immer wieder sehe

Die meisten Probleme am Ventoux sind keine Materialkatastrophen, sondern einfache Planungsfehler. Ich sehe immer wieder dieselben Muster, und fast alle davon lassen sich vermeiden.

  1. Zu hart anfahren - Wer im ersten Drittel überzieht, zahlt im letzten Drittel doppelt.
  2. Zu schwere Übersetzung - Ein zu großer Gang macht aus einem langen Anstieg einen unnötigen Kraftkampf.
  3. Zu wenig trinken - Im Tal fühlt sich das oft noch harmlos an, oben ist der Schaden bereits da.
  4. Die Abfahrt nur als Pause sehen - Kälte, Wind und Bremsen fordern dort noch einmal volle Aufmerksamkeit.
  5. Mit zu viel Gepäck fahren - Bikepacking ist kein Freifahrtschein für schwere Taschen am steilsten Bergabschnitt.
  6. Die falsche Seite wählen - Nicht jeder erste Ventoux-Tag sollte automatisch über Bédoin laufen.

Mein ehrlicher Eindruck: Der Ventoux ist weniger gnadenlos als viele glauben, aber er bestraft jede Form von Schlampigkeit sofort. Wer sauber plant, ruhig fährt und das eigene Niveau nicht überschätzt, erlebt einen Berg, der hart bleibt und trotzdem sehr gutmütig sein kann. Genau das macht ihn für Rennradfahrer so spannend.

Was ich für die erste Auffahrt wirklich einpacken würde

Wenn ich den Ventoux zum ersten Mal oder mit einem eher tourenorientierten Setup fahre, nehme ich nur das mit, was mir oben und unten wirklich hilft: zwei volle Flaschen, einen kleinen Energievorrat, einen Ersatzschlauch, ein Multitool, eine leichte Windjacke, Handschuhe und ein sauber abgestimmtes Schaltsetup. Mehr ist oft Ballast, weniger ist schnell ein Problem.

Wer den Berg so angeht, bekommt nicht nur eine schwere Auffahrt, sondern eine sehr runde Rennraderfahrung mit echtem Tourenwert. Genau deshalb bleibt der Ventoux ein Ziel, das ich nicht nach Rekordlogik fahre, sondern nach Klarheit, Ruhe und gutem Timing.

Häufig gestellte Fragen

Für die erste Auffahrt ist Sault meist die klügste Wahl. Die Seite ist mit 25,6 km und 1.210 hm deutlich entspannter als Bédoin oder Malaucène und erlaubt dir, Rhythmus und Pacing sauber zu finden. Bédoin ist die klassische, härteste Variante mit 21,8 km und 1.598 hm, Malaucène ist ähnlich lang und steil, wirkt aber oft etwas gleichmäßiger.

Praktisch bewährt sich eine leichte Übersetzung, zum Beispiel 34x32 bis 34x34. Sportlicher geht auch 34x28 bis 34x30, aber der Artikel empfiehlt klar eine Reserve für die steilen Rampen. Wichtig ist, dass du die langen, konstant harten Passagen im sauberen Tritt fahren kannst statt dich mit zu schwerem Gang zu quälen.

Im Sommer ist ein früher Start sinnvoll, damit die Hitze im Tal nicht schon vor dem Berg zur Zusatzbelastung wird. Oben kann es trotz Wärme im Tal kühl und sehr windig sein, deshalb gehören Windjacke oder leichtes Gilet ins Gepäck. Der Artikel rät außerdem, die Lage am Gipfelbereich genau zu prüfen und bei starkem Wind oder Gewitterrisiko umzuplanen.

Der Berg eignet sich gut als Mittelpunkt einer Tour. Die offizielle Runde um den Ventoux ist 120 km lang und lässt sich je nach Tempo in 2 bis 4 Tagen fahren. Am sinnvollsten ist es, die schwere Gepäcklast nicht in die eigentliche Kletterpassage mitzunehmen, sondern die Reise in lockerere Etappen aufzuteilen.

Weil sie nach der harten Auffahrt wie eine Pause wirkt, in Wahrheit aber Temperatur, Wind, Bremsen und Konzentration noch einmal fordert. Der Gipfel ist offen und oft kühler als das Tal, daher können Kälte und Wind schnell unangenehm werden. Deshalb sollte man die Abfahrt als eigene Etappe planen und das Material vorher prüfen.

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bikepacking übersetzung verpflegung ventoux abfahrt

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Emanuel Strobel

Emanuel Strobel

Mein Name ist Emanuel Strobel und ich bringe 14 Jahre Erfahrung in der Fahrradtechnik, im Radsport und im Bikepacking mit. Schon als Kind habe ich meine Leidenschaft für das Radfahren entdeckt, und seitdem hat mich die Faszination für alles, was mit Fahrrädern zu tun hat, nie losgelassen. Ich liebe es, die verschiedenen Aspekte der Fahrradtechnik zu erkunden und mein Wissen darüber zu teilen, um anderen zu helfen, die besten Entscheidungen für ihre Fahrräder und Abenteuer zu treffen. In meinen Artikeln konzentriere ich mich darauf, komplexe Themen verständlich zu erklären und aktuelle Trends im Radsport zu beleuchten. Dabei lege ich großen Wert auf sorgfältige Recherche und die Überprüfung von Informationen, um sicherzustellen, dass meine Leser stets auf dem neuesten Stand sind. Mein Ziel ist es, nützliche und präzise Inhalte zu liefern, die sowohl Einsteigern als auch erfahrenen Radfahrern helfen, ihre Leidenschaft für das Radfahren noch mehr zu genießen.

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