ETRTO Tabelle: Reifen- & Felgengrößen richtig verstehen

ETRTO Tabelle zeigt passende Felgen-Innenmaulweiten für Reifenbreiten. Blaue Felder markieren verfügbare Kombinationen.

Geschrieben von

Emanuel Strobel

Veröffentlicht am

10. Feb. 2026

Inhaltsverzeichnis

Eine saubere Reifen- und Felgengröße entscheidet darüber, ob ein Fahrrad sicher, leise und ohne Bastelkompromisse rollt. Genau hier hilft eine ETRTO-Tabelle: Sie ordnet alte Zoll- und französische Angaben in ein eindeutiges Maßsystem ein und zeigt, welche Reifen wirklich auf welche Felge passen. Ich gehe in diesem Artikel Schritt für Schritt durch die wichtigsten Größen, typische Umrechnungen und die Punkte, die bei Tubeless- und Hookless-Laufrädern besonders wichtig sind.

Die entscheidenden Maße zuerst prüfen

  • ETRTO benennt Reifenbreite und Wulstsitzdurchmesser in Millimetern, zum Beispiel 37-622.
  • 28 Zoll und 29 Zoll können denselben Felgendurchmesser von 622 mm meinen.
  • Für die Montage müssen Reifen und Felge denselben BSD haben und in der Breite zusammenpassen.
  • Die tatsächliche Reifenbreite hängt von der Felgeninnenweite ab und weicht oft leicht vom Aufdruck ab.
  • Bei Tubeless und Hookless zählen Freigaben und Druckgrenzen noch strenger als bei klassischen Drahtreifen.
  • Wenn Reifen- und Felgenhersteller unterschiedliche Maximalwerte nennen, gilt der niedrigere Wert.

Wie ich die ETRTO-Angabe lese

Die ETRTO-Schreibweise ist der Teil, auf den ich mich beim Kauf zuerst verlasse. Eine Angabe wie 37-622 besteht aus zwei klaren Informationen: 37 Millimeter Reifenbreite und 622 Millimeter Wulstsitzdurchmesser der Felge. Genau dieser zweite Wert ist der entscheidende Punkt, weil nur dann der Reifen überhaupt auf die Felge passt. Schwalbe beschreibt diese Kennzeichnung deshalb zu Recht als eindeutig, während alte Zollangaben das oft nicht sind.

Teil der Angabe Bedeutung Warum das wichtig ist
37 Nominale Reifenbreite in Millimetern Hilft bei der Auswahl der passenden Breite und beim Freigabevergleich
622 Wulstsitzdurchmesser der Felge in Millimetern Dieser Wert muss mit der Felge exakt übereinstimmen

Wichtig ist noch eine praktische Kleinigkeit: Die aufgedruckte Breite ist ein Nennmaß. Je nach Felgeninnenweite kann der montierte Reifen etwas schmaler oder breiter ausfallen. Damit ist die Schreibweise klar - als Nächstes wird sichtbar, warum alte Zoll- und französische Angaben trotzdem so oft in die Irre führen.

ETRTO Tabelle zeigt mögliche Reifen-Felgenkombinationen. Haken bedeuten offizielle Angaben, blaue Pfeile Herstellerangaben.

Die wichtigsten Größen im Überblick

Für den Alltag ist eine klare Umrechnungstabelle hilfreicher als jede Marketingbezeichnung auf der Reifenflanke. Hier sind die häufigsten Größen, die mir in Werkstatt und Beratung am meisten begegnen. Ich konzentriere mich bewusst auf praxisrelevante Maße, nicht auf exotische Nischen.

ETRTO Ältere Bezeichnung Typische Nutzung Kommentar
25-622 700 x 25C Rennrad Schmal, schnell und auf glatten Straßen weiterhin verbreitet
28-622 700 x 28C Rennrad, Allroad Etwas komfortabler als 25 mm und heute ein häufiger Allround-Wert
32-622 700 x 32C Trekking, leichtes Gravel Ein guter Kompromiss aus Rollverhalten und Komfort
37-622 28 x 1.40, 700 x 35C Trekking, City, Reise Ein klassisches Alltagsmaß, das viele ältere und moderne Räder trägt
47-559 26 x 1.75 Ältere MTB und Cityräder 26 Zoll ist nicht automatisch eindeutig, deshalb immer den BSD prüfen
57-584 27.5 x 2.25, 650B Gravel, MTB Beliebt, weil der Durchmesser modern, aber noch gut rollfreudig bleibt
57-622 29 x 2.25 MTB Gleicher Felgendurchmesser wie viele 28-Zoll-Laufräder

Die Tabelle ist der schnellste Weg zur passenden Größe, aber sie ersetzt noch nicht die Prüfung von Felgeninnenweite und Freigaben.

Warum Zoll- und französische Größen oft täuschen

Die alten Bezeichnungen sind historisch gewachsen und deshalb nur bedingt präzise. 28 Zoll und 29 Zoll können beide auf 622 Millimeter BSD basieren, obwohl sie im Sprachgebrauch nach zwei unterschiedlichen Radgrößen klingen. Umgekehrt kann 26 Zoll je nach System 559, 571 oder 590 Millimeter bedeuten. Für die Ersatzteilwahl ist das heikel, weil der Begriff zwar vertraut wirkt, technisch aber zu ungenau ist.

Auch die französische Schreibweise ist nur eine Annäherung. 700 x 35C meint nicht wirklich 700 Millimeter Außendurchmesser, sondern eine alte Größenlogik mit einer Breitenangabe und einem Buchstaben für den Felgendurchmesser. In der Praxis übersetze ich solche Angaben fast immer direkt in ETRTO, weil ich damit schneller und sicherer arbeite. Wer sich auf den Buchstaben oder die Zollzahl verlässt, kauft im Zweifel am falschen Ende.

  • 28 x 1.40 und 700 x 35C landen beide bei 37-622.
  • 29 x 2.25 ist meist 57-622 und passt also auf denselben BSD wie viele 28-Zoll-Felgen.
  • 27.5 Zoll steht typischerweise für 584 mm, nicht für 559 oder 622 mm.
Genau deshalb lohnt sich der Blick auf die Felgeninnenweite und nicht nur auf die Bezeichnung auf der Flanke.

Welche Reifenbreite zu welcher Felge passt

Jetzt wird es praktisch. Ich prüfe an dieser Stelle immer zuerst den BSD und erst dann die Breite, denn genau hier entstehen die meisten Fehlkäufe. Schwalbe weist ausdrücklich darauf hin, dass Reifeninnendurchmesser und Felgenwulstsitz zusammenpassen müssen; zusätzlich muss die Reifenbreite zur inneren Felgenweite passen. Das ist kein Detail, sondern Sicherheitsgrundlage.

Als Orientierung nutze ich folgende, bewusst konservative Faustregel für die Felgeninnenweite. Sie ersetzt keine Herstellerfreigabe, hilft aber bei der ersten Einordnung sehr gut weiter.

Felgeninnenweite Typische Reifenbreite Wofür das gut passt
15-17 mm 23-32 mm Rennrad, klassisches Trekking
17-19 mm 25-38 mm Allroad, City, leichtes Gravel
20-23 mm 35-55 mm Gravel, Cross, XC-MTB
24-30 mm 45-75 mm MTB, Bikepacking, Plus-Setups

Ein wichtiger Effekt, den viele unterschätzen: Die montierte Reifenbreite verändert sich mit der Felge. Continental zeigt als Beispiel, dass ein nomineller 28-mm-Reifen je nach Felgeninnenweite etwa von 26,4 mm bis 29,6 mm wachsen kann. Deshalb ist der Aufdruck auf dem Mantel nur der Ausgangspunkt, nicht die ganze Wahrheit. Wer diese Paarung richtig liest, reduziert Fehlkäufe drastisch - danach kommen die typischen Irrtümer, die ich in der Praxis am häufigsten sehe.

Die häufigsten Fehler beim Kauf und beim Montagecheck

Die meisten Probleme entstehen nicht bei der Montage selbst, sondern schon bei der Auswahl. Der Klassiker ist, dass jemand nur nach 28 Zoll sucht und dabei übersieht, dass die alte Felge in Wahrheit 635 Millimeter oder 630 Millimeter BSD haben könnte. Ein anderer Fehler ist der Glaube, dass ein breiterer Reifen automatisch auf jede Felge passt. Das Gegenteil ist oft der Fall: Zu schmale Felgen können breite Reifen instabil wirken lassen, zu breite Felgen können schmale Reifen ungünstig aufspreizen.

  • Nur die Zollzahl beachten statt den BSD zu prüfen.
  • Die Reifenbreite zu optimistisch wählen, obwohl die Felgeninnenweite zu klein ist.
  • Den Freigabedruck ignorieren, wenn Reifen- und Felgenhersteller unterschiedliche Angaben machen.
  • Alte Laufräder blind übernehmen, obwohl sich Maßsysteme und Standards geändert haben.
  • Bei Tubeless denselben Spielraum wie bei Drahtreifen erwarten, obwohl die Toleranzen enger sein können.

Continental empfiehlt in solchen Fällen, immer den niedrigeren Maximalwert von Reifen- und Felgenhersteller zu nehmen. Das ist die vernünftigste Regel überhaupt, weil sie Sicherheitsreserven lässt, statt sie wegzuinterpretieren. Bei Tubeless und Hookless verschärfen sich diese Punkte noch einmal, weil dort Freigaben und Druckgrenzen enger sind.

Tubeless und Hookless brauchen strengere Regeln

Bei klassischen Systemen ist die Größenfrage schon wichtig, bei Tubeless und Hookless wird sie zum kritischen Punkt. Schwalbe weist darauf hin, dass hookless oder gerade Felgenflanken nur mit passenden TLE- oder TLR-Reifen kombiniert werden dürfen und dass die freigegebenen Reifenbreiten und Druckwerte des Felgenherstellers zählen. Genau hier wird aus einer einfachen Größenfrage eine echte Systemfrage.

Für die Praxis heißt das:

  • Nur Reifen verwenden, die ausdrücklich für Tubeless oder Hookless freigegeben sind.
  • Die maximale Reifenbreite und den Maximaldruck der Felge prüfen.
  • Die niedrigere Druckangabe gilt immer, wenn Reifen- und Felgenhersteller abweichen.
  • Rim Tape, Ventil und Sitz der Wulst sauber kontrollieren.

Ich sehe hier die meisten Probleme bei Rennrad- und Allroad-Setups, weil dort der Wunsch nach weniger Druck schnell zu viel Vertrauen erzeugt. Gerade bei Hookless zählt aber nicht das Gefühl, sondern die Freigabe. Mit dieser Grundlage bleibt nur noch der praktische Kauf- und Montagecheck, und genau den schließe ich gleich ab.

Die letzte Kontrolle vor dem Kauf spart teure Fehlgriffe

Wenn ich eine Größe schnell und ohne Risiko prüfen will, gehe ich immer in derselben Reihenfolge vor: BSD, Felgeninnenweite, Freigaben, Druckgrenzen. Erst danach schaue ich auf Marketingbegriffe wie 28 Zoll, 29 Zoll oder 700C. Diese Reihenfolge ist unspektakulär, aber sie verhindert die meisten Fehlkäufe und spart im Alltag deutlich mehr Zeit als jede spätere Reklamation.

  • Den genauen ETRTO-Wert von Reifen und Felge ablesen.
  • Die Felgeninnenweite mit der Reifenbreite abgleichen.
  • Bei Tubeless und Hookless die Herstellerfreigaben separat prüfen.
  • Den niedrigeren Maximaldruck übernehmen, wenn Angaben auseinanderlaufen.

Wer diese Punkte sauber abarbeitet, braucht keine Rätselraten mit Zollzahlen und keine Improvisation beim Aufbau. Genau das macht eine gute ETRTO-Übersicht im Fahrradalltag so wertvoll: Sie übersetzt alte Bezeichnungen in ein System, das wirklich montierbar, vergleichbar und sicher ist.

Häufig gestellte Fragen

ETRTO steht für "European Tyre and Rim Technical Organisation" und bietet ein standardisiertes Maßsystem für Fahrradreifen und -felgen in Millimetern (z.B. 37-622). Es ist entscheidend, um die Kompatibilität zwischen Reifen und Felge sicherzustellen und Fehlkäufe zu vermeiden.

Ja, oft. Sowohl "28 Zoll" als auch "29 Zoll" können sich auf denselben Felgendurchmesser von 622 mm (ETRTO) beziehen. Wichtig ist, dass der Wulstsitzdurchmesser (die zweite ETRTO-Zahl) von Reifen und Felge übereinstimmt.

Neben dem Wulstsitzdurchmesser ist die Felgeninnenweite entscheidend. Die ETRTO-Angabe des Reifens (erste Zahl) gibt die Nennbreite an. Prüfen Sie die Herstellerfreigaben und eine Tabelle zur Felgeninnenweite, um eine sichere und passende Kombination zu gewährleisten.

Bei Tubeless- und Hookless-Systemen sind die Freigaben der Hersteller besonders wichtig. Verwenden Sie nur explizit dafür vorgesehene Reifen und beachten Sie die maximalen Reifendrücke der Felge. Im Zweifel gilt immer der niedrigere Maximalwert von Reifen- und Felgenhersteller.

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Emanuel Strobel

Emanuel Strobel

Ich bin Emanuel Strobel und beschäftige mich seit über einem Jahrzehnt intensiv mit Fahrradtechnik, Radsport und Bikepacking. In dieser Zeit habe ich umfassende Erfahrungen in der Analyse von Markttrends und der Entwicklung innovativer Lösungen in der Branche gesammelt. Mein Ziel ist es, komplexe technische Informationen verständlich zu machen und dabei stets objektiv und faktengestützt zu arbeiten. Als spezialisierter Redakteur bringe ich tiefgehendes Wissen über die neuesten Technologien und Trends im Radsport mit. Ich lege großen Wert darauf, aktuelle Entwicklungen zu verfolgen und meinen Lesern präzise und verlässliche Informationen zu bieten. Mein Engagement gilt der Förderung einer informierten und begeisterten Fahrrad-Community, die das Radfahren in all seinen Facetten schätzt und lebt.

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