Die wichtigsten Entscheidungen für eine Tour in NRW auf einen Blick
- Flussradwege sind ideal, wenn du viele Kilometer entspannt fahren willst und eine klare Orientierung suchst.
- Bahntrassen und Panoramawege sind die beste Mischung aus guter Fahrbarkeit, überschaubaren Steigungen und sauberer Logistik.
- Für die erste Bikepacking-Tour zählt nicht die längste Strecke, sondern ein realistisches Tagespensum mit sauber geplanter Übernachtung.
- Im Sauerland und im Bergischen Land solltest du Höhenmeter und Wind deutlich ernster nehmen als im Rheinkorridor.
- Ein passendes Setup mit stabilem Licht, vernünftigen Reifen und kleinerem Gepäck macht auf NRW-Routen oft den größten Unterschied.
Welche Streckenarten in NRW wirklich Sinn ergeben
Tourismus NRW spricht von rund 30.000 Kilometern Radwegenetz. In der Praxis heißt das nicht, dass jede Strecke für jeden Zweck gleich gut passt. Ich sortiere Touren deshalb zuerst nach Charakter, nicht nach bloßer Länge.
| Streckentyp | Typisch | Wann ich ihn wähle | Wo die Grenze liegt |
|---|---|---|---|
| Flussradweg | Rhein, Ruhr, Lenne, ruhige Uferpassagen, meist gut ausgebaut und leicht zu folgen | Wenn ich viele Kilometer fahren will, ohne ständig über die Route nachzudenken | Wind, urbane Abschnitte und einzelne Seitenwechsel können anstrengender sein als erwartet |
| Bahntrasse und Panoramaweg | Alte Eisenbahnlinien, gleichmäßiger Rhythmus, oft angenehm zu fahren | Für entspannte Tagestouren, Familien und Einsteiger, die Sicherheit und Übersicht mögen | Verbindungsstücke können dennoch hügelig oder enger werden |
| Berg- und Gravelroute | Höhenmeter, wechselnder Untergrund, mehr Tempo auf Abfahrten, mehr Druck am Berg | Wenn ich sportlicher fahren oder ein echtes Bikepacking-Profil abdecken will | Ohne passende Übersetzung, gute Bremsen und etwas Kondition wird es zäh |
| Rundtour mit ÖPNV-Anschluss | Start und Ziel lassen sich flexibel an Bahnhof, Fähre oder Rückfahrt koppeln | Wenn ich die Logistik simpel halten und trotzdem eine große Runde fahren will | Nur dann bequem, wenn Umstiege und Rückwege vorher klar sind |
Wenn ich eine hügelige, aber gut lesbare Strecke suche, landet der Bergische Panorama-Radweg weit oben. Er verknüpft im Gesamtsystem mehr als 300 Kilometer, davon rund 175 Kilometer auf nahezu steigungsfreien früheren Schienenwegen. Praktisch ist auch der Bergische Fahrradbus, der bis zu 20 Räder mitnimmt. Genau solche Details machen eine Tour spürbar entspannter, wenn Start- und Zielort nicht identisch sind. Aus dieser Logik heraus lassen sich auch die konkreten Strecken sehr klar einordnen.
Die große Stärke dieser Auswahl ist der Mix: Mit Rhein und Ruhr bekommst du verlässliche Flussachsen, mit Lenne und Ruhr-Sieg einen sportlicheren Übergang und mit Balkantrasse oder Bergischem Panoramaweg sehr gut steuerbare Steigungen. Für einen ersten Eindruck von NRW als Radregion ist genau diese Kombination überzeugender als eine einzige „beste“ Strecke.

Diese Strecken würde ich zuerst prüfen
Wenn mich jemand nach einer verlässlichen Auswahl fragt, beginne ich fast immer mit denselben Routen. Nicht, weil sie die einzigen guten Wege sind, sondern weil sie unterschiedliche Tourenarten sauber abdecken.
| Route | Daten | Charakter | Für wen ich sie nehme |
|---|---|---|---|
| Ruhrtalradweg | 230 km, 15:25 Stunden, mittel, 890 hm bergauf, 1520 hm bergab | Sehr abwechslungsreich, mit Natur, Industriegeschichte und vielen Etappenmöglichkeiten | Für die erste längere Mehrtagestour oder wenn du Kultur und Landschaft verbinden willst |
| Rheinradweg in NRW | Über 226 km durch NRW, überwiegend gut ausgebaut, einheitlich ausgeschildert | Sehr gut lesbare Flussroute mit dem blauen Rheinradler als Markierung, dazu Brücken und Fähren | Für entspannte Tagesetappen, flexible Wochenenden und alle, die möglichst stressfrei navigieren wollen |
| Lenneroute | 144 km, 9:30 Stunden, mittel, 475 hm bergauf, 1010 hm bergab | Sauerland bis Ruhrgebiet, mit gutem Gleichgewicht aus Landschaft und Fahrbarkeit | Für eine sportliche 1- bis 2-Tages-Runde, die nicht zu hart ausfällt |
| Ruhr-Sieg-Radweg | 113 km, 7:30 Stunden, mittel, 561 hm bergauf, 626 hm bergab | Viele Abschnitte über ehemalige Bahntrassen, gute Beschilderung, familienfreundlich | Für moderate Kondition, ruhiges Tempo und einen sauberen Einstieg in längere Touren |
| Balkantrasse | Rund 28 km, nahezu flach, ehemalige Bahntrasse | Kompakt, komfortabel und sehr gut kombinierbar | Für kurze Ausfahrten, Familien und als Teilstück einer größeren Route |
| Bergischer Panorama-Radweg | Rund 130 km, weite Teile auf alten Bahntrassen | Hügeliges Bergland, aber meistens angenehm zu fahren | Wenn du Landschaft willst, ohne dauerhaft steile Rampen zu sammeln |
Für mich ist der Ruhrtalradweg die stärkste Allround-Empfehlung, wenn jemand eine erste längere Tour in NRW plant. Er ist mit 230 Kilometern groß genug für echtes Tourengefühl, aber klar genug strukturiert, um ihn sauber in Etappen zu zerlegen. Der Rheinradweg ist dagegen die sicherere Wahl, wenn du viel fahren, aber wenig improvisieren willst. Genau diese Unterscheidung macht die Entscheidung später leichter.
Der Ruhr-Sieg-Radweg ist interessant, wenn du eine ruhigere Linie suchst, die sich nicht wie ein reiner Fernradweg anfühlt, aber trotzdem Substanz hat. Die Balkantrasse ist fast das Gegenteil: kurz, kompakt und ideal, wenn du eine entspannte Fahrt oder ein Teilstück zum Aufwärmen brauchst. Und der Bergische Panorama-Radweg füllt die Lücke zwischen beiden Welten, weil er bergiger wirkt, aber oft sehr angenehm rollt.
So plane ich Tagestouren und Wochenenden ohne Stress
Ich plane solche Touren nicht nach Bauchgefühl allein, sondern in drei Schritten: Tagesdistanz, Höhenmeter und Übernachtung. Gerade in NRW kann derselbe Kilometerumfang völlig anders wirken, je nachdem ob du am Rhein, auf einer alten Bahntrasse oder im Sauerland unterwegs bist.
| Ziel | Sinnvolle Distanz | Worauf ich achte | Mein Rat |
|---|---|---|---|
| Entspannte Tagestour | 35 bis 60 km | Wenig Druck, viele Pausen, einfache Rückfahrt | Bahntrasse oder Flussradweg nehmen, nicht die hügeligste Variante |
| Sportliche Tagestour | 60 bis 100 km | Tempo, Wind, Verpflegung und realistischer Schnitt | Nur wählen, wenn du dein Pacegefühl kennst und gut trinkst |
| Wochenendtour | 120 bis 180 km gesamt | Schlafplatz, Startpunkt, Tagesrhythmus und Rückweg | Den Schlafplatz vorab sichern, nicht erst unterwegs suchen |
| Bikepacking light | 100 bis 160 km gesamt, verteilt auf 2 bis 3 Tage | Wenig Gepäck, klare Etappen, funktionierende Versorgung | Lieber etwas kürzer fahren und dafür stressfrei ankommen |
Ich arbeite dabei mit einer einfachen Regel: Kilometer sind nur die halbe Wahrheit. Siebenzig Kilometer im Bergischen Land können sich härter anfühlen als hundert Kilometer am Rhein. Wer das akzeptiert, plant automatisch besser. Den offiziellen Routenplaner nutze ich vor allem dort, wo Brücken, Fähren oder Bahnhöfe die Route beeinflussen.
- Ich prüfe zuerst das Höhenprofil. Das verhindert unrealistische Tagesziele.
- Ich definiere den Ausstieg. Rückfahrt per Bahn oder eine Alternative gehören vor dem Start festgelegt.
- Ich plane Verpflegung früh. In ländlichen Abschnitten gibt es nicht hinter jedem Kilometer ein Café.
- Ich buche Übernachtungen nicht auf Kante. Gerade an Wochenenden sind gute Plätze schnell weg.
Damit ist die Route selbst zwar gewählt, aber das Bike muss das Ganze noch sauber mitmachen.
Welches Setup auf NRW-Strecken wirklich funktioniert
Auf einer kurzen Bahntrasse reicht ein anderes Setup als auf einer mehrtägigen Gravelrunde im Sauerland. Ich orientiere mich deshalb immer an der Frage, was das Rad tragen, bremsen und aushalten muss. Nicht daran, was auf dem Papier am leichtesten klingt.
| Profil | Reifen | Antrieb und Bremsen | Gepäck |
|---|---|---|---|
| Flussradweg | 32 bis 38 mm reichen oft, wenn der Untergrund sauber ist | Normale Übersetzung, solide Bremsen, verlässliche Beleuchtung | Wenige, kompakte Taschen mit gutem Wetterschutz |
| Bahntrasse und Panoramaweg | 35 bis 45 mm sind für Komfort und Puffer oft ideal | Etwas leichtere Gänge helfen an Verbindungsstücken, Scheibenbremsen sind angenehm | Stabile Taschen, die bei Kopfsteinpflaster und leichten Schotterpassagen nicht wandern |
| Hügelig und bikepacking-tauglich | 40 bis 50 mm, bei Bedarf tubeless | Große Bandbreite an Gängen und starke Bremsen bergab | Sehr ausgewogenes Gepäck, lieber modular als alles auf einmal am Rad |
| Stadtverbindungen und Mischprofile | Pannensichere Allroundreifen | Sauber laufende Schaltung, Licht für Tunnel und spätes Ankommen | Wasserfeste, schnell zugängliche Taschen für Geld, Regenzeug und Werkzeug |
Tubeless bedeutet: Reifen ohne klassischen Schlauch, dafür mit Dichtmilch im System. Kleine Durchstiche schließen sich oft von selbst. Das ist kein Muss, aber auf raueren Abschnitten oder bei längeren Touren ein echter Komfortgewinn.
Auf Bahntrassen mit Tunneln starte ich nie ohne funktionierendes Front- und Rücklicht. Das klingt banal, ist aber einer der häufigsten kleinen Fehler. Ein zweiter Punkt ist die Gepäckfrage: Bikepacking ist kein Wettbewerb, wer die meisten Taschen montiert hat. Je sauberer das Setup, desto ruhiger fährt sich das Rad, vor allem bergab.
Die Fehler, die ich auf NRW-Touren am häufigsten sehe
- Zu flache Erwartungen. Das Bergische Land und das Sauerland sind keine Ebenen. Wer dort 60 Kilometer als „locker“ einplant, ist oft nach der Hälfte überrascht.
- Zu viel Gepäck. Jedes zusätzliche Kilo spürt man am Berg doppelt. Für Bikepacking gilt ganz klar: weniger ist fast immer mehr.
- Wetter und Wind unterschätzen. Am Rhein kann Gegenwind eine Tour härter machen als ein paar Höhenmeter. Das gilt besonders auf offenen Dämmen und langen geraden Abschnitten.
- Verbindungen zwischen den Hauptachsen ignorieren. Eine Route wirkt auf der Karte perfekt, scheitert aber manchmal an einer Brücke, einer Fähre oder an einem unruhigen Stadtabschnitt.
- Verpflegung zu knapp kalkulieren. In ländlichen Abschnitten gibt es nicht an jeder Ecke ein Café. Ich plane lieber Wasser und Snacks für mehrere Stunden ein.
- Übernachtung zu spät klären. Trekkingplätze und kleine Unterkünfte sind gerade in der Saison schnell weg. Für eine mehrtägige Tour ist das oft der eigentliche Engpass.
Wer diese Punkte vor dem Start klärt, fährt deutlich entspannter und kann sich unterwegs auf Landschaft und Rhythmus konzentrieren statt auf improvisierte Lösungen. Genau daraus ergibt sich am Ende, welche Route ich 2026 zuerst empfehlen würde.
Worauf ich 2026 bei einer ersten NRW-Tour zuerst achte
Für den ersten Kontakt würde ich keine heroische Bergstrecke wählen, sondern etwas, das sofort Vertrauen schafft. Die Balkantrasse ist für Einsteiger und kurze Nachmittage stark, der Rheinradweg für lange, gut planbare Etappen und der Ruhrtalradweg für alle, die Natur, Städte und Industriekultur in einer Tour verbinden wollen. Wenn ich Bikepacking im engeren Sinn im Kopf habe, suche ich mir eher eine Route mit klaren Etappen und gesicherten Schlafpunkten, denn ein sauberer Schlafplatz ist am Ende wichtiger als zehn zusätzliche Kilometer.
Für Übernachtungen draußen schaue ich in NRW zuerst nach Trekkingplätzen im Naturpark Sauerland Rothaargebirge oder rund um Winterberg. Dort lässt sich eine Tagesroute sauber in zwei oder drei Etappen übersetzen, ohne dass man das ganze Gepäck jeden Tag neu erfinden muss. Meine einfache Regel lautet deshalb: erst Strecke, dann Ausrüstung, dann Tempo. Wer in NRW so plant, bekommt nicht nur schöne Kilometer, sondern eine Tour, die sich realistisch fahren lässt und am nächsten Tag noch Lust auf mehr macht.